Verdauung
Zoologen der Uni Jena haben sich darangemacht, das ernährungstechnische Kunststück von Riesenschlangen zu entzaubern.Sie durchleuchteten die Schlangen mit Ultraschall und Kernspintomographen. Auf diese Weise war es möglich den Verdauungsvorgang am lebenden Objekt studieren.
Das Ergebnis: Riesenschlangen verfügen über eine Art Turbo-Verdauung, bei der sich ihre inneren Organe extrem ausdehnen und der Stoffwechsel stark angekurbelt wird. Die Schlangen leisten bei der Nahrungsverarbeitung Schwerstarbeit.
Nachdem das Futtertier erschlagen und erdrosselt ist, beginnt die Schlange das Tier vom Kopf an zu verschlingen (Jungtiere haben häufig noch Orientierungsprobleme und verschlingen Beutetiere manchmal unbeholfen von hinten, manchmal auch seitlich), da so dass Tier leichter zu verschlingen ist Aufgrund der Fellrichtung (Strich) der Futtertiere.
Im Schlangenmagen ätzt Salzsäure zunächst nur den Schädel des Opfers weg. Anschließend wird der kopflose Körper aufgelöst. Innerhalb von zwei Tagen verwandelt sich das Beutetier restlos in Nahrungsbrei. Während dieser Zeit ist die typische Futtertierschwellung zu beobachten.
Dann fließt der Brei in den schlauchförmigen Darm. Innerhalb weniger Stunden wächst der Verdauungsapparat (Leber und Darm) auf das Dreifache seiner Normalgröße an; auch sein Gewicht nimmt drastisch zu. Nur so ist es der Schlange möglich die „Energieschwemme“ zu verwerten.
Schon wenn die Schlange die Beute verschlingt, beginnt eine Riesenschlange tiefer und heftiger zu atmen. Herz und Lunge leisten nun Schwerstarbeit: Beim Verdauen eines großen Futtertieres verbraucht die Schlange 40mal mehr Sauerstoff als im Ruhezustand. Solch körperliche Schwerstarbeit findet man ausschließlich bei Schlangen. Die Kehrseite großer Futtertiere: Nur die Hälfte der Kalorien, die in einem großen Futtertier steckt, vermag eine Schlange in ihren Energiespeichern unterzubringen. Der Rest wird während des kraftraubenden Verdauungsprozesses gleich wieder verbraucht.
Schlangen dürfen aber unter keinen Umständen zu lang brauchen bei der Verdauung, denn:
Unmittelbar nach dem Tod beginnt das unzerkleinerte Beutetier von innen her zu verwesen. Gase bilden sich, die in der Schlange gefährliche Blähungen verursachen können.
Noch gefährlicher sind die Leichengifte die kurze Zeit nach dem Tod des Futtertieres entstehen. Schon manche Riesenschlange hat sich an einem zu großen Beutetier zu Tode gefressen.
So ist es definitiv besser kleinere Futtertiere zu füttern, das lieber etwas häufiger als Große.
Der Nachteil beim häufigen Füttern: Die Darmschleimhaut kann sich entzünden, da keine Regenerationszeit nach einem kraft- raubendem Futterakt gewährt wird.
Andererseits können Königspythons bis zu einem Jahr ohne Mahlzeit auskommen, was aber auch immer von dem Zustand abhängt in dem sich das Tier beim Beginn der „Fastenzeit“ befindet.